Frosch, wo steckst Du? – Amphibien-Radtour durch die Elbtalaue

Schafe und Radler am Jasebecker Deich

26 Kilometer, keine Steigungen. Die Amphibientour klang wie für mich und für einen sanften Einstieg in den „heimischen Fahrradtourismus“ gemacht. Empfohlener Ausgangspunkt für die Themenradtour: Dannenberg, Marktplatz bzw. Kirche.

Ich vermutete, dass ich unterwegs kaum einen Lurch (oder sagt man grammatikalisch korrekt „Lurchen“?) zu Gesicht kriegen würde. Denn die Hochzeit der Paarung ist längst durch und in der heißen Augustsonne verkrümeln sich die Froschjungs und -mädels lieber in die geschützteren Gefilde der Tümpel, Bracks und Seen. So startete ich meine persönliche Amphibientour schon etwas eher: am Mühlentor, am Beginn der Langen Straße. Denn das Dannenberger Stadtmarketing bemühte sich vor einigen Jahren intensiv darum, den Frosch auch hier in der Innenstadt anzusiedeln.

Frosch Nr. 1

Frosch Nr. 1 begegnete mir auf der Höhe Keetz – Sparkasse. Ein stolzer Vertreter seiner Art mit empor gerecktem Kinn, der stoisch jeden beäugt, der die gegenüber liegende Sparkassen-Filale betritt. Stundenlang, tagelang, wochenlang. A dirty job, but someone’s gotta do it.

Frosch Nr. 2

Einen engen Verwandten von Frosch Nr. 1 entdeckte ich am Marktplatz.  Leider sah er irgendwie bösartig oder schwer drogenabhängig aus. Schnell weiter.

Werbefrosch

In einem Schaufenster eines Tabak- und Zeitschriftengeschäfts zwei weitere Vertreter dieser Art. Der eine (ohne Foto) fristet sein Dasein zwischen einer Wasserpfeife und geschmackvollen Plastikseerosen, der andere zeigt dieses spezielle eingefrorene Lächeln, das wir von bezahlten Dienstleistern kennen. Sich als Werbefrosch zu prostituieren, war vermutlich nicht sein feuchter Karrieretraum.

Die Ausstellung „Sei (k)ein Frosch“ im Alten Rathaus am Markt ließ ich aus. Hab ich schon gesehen. Ist aber sehenswert und parallel zur Gäste-Information geöffnet.

Am Marktplatz aus startete dann die eigentliche Amphibientour. Kurz hinter Dannenberg an der Straße nach Penkefitz entdeckte ich den ersten Wegweiser des neuen „Besucherlenkungskonzepts“, das seit Sommer 2012 an vielen Rad- und Wanderstrecken installiert wurde.

Wegweiser des neuen „Besucherlenkungskonzepts“

Praktischerweise sind diese Wegweiser auch mit den kleinen farbigen Signets versehen, die die verschiedenen „Thementouren“ kennzeichen. Das Signet der Amphibientour ist blau und – natürlich – mit einem Frosch versehen.

Unterwegs kann man sich auf diversen Infotafeln schlaulesen über diese besondere Landschaft…

„Die Elbtalaue ist durchzogen von Flutrinnen, Mulden und Altarmen – geschaffen von dem ehemals ungebädigtem Elbstrom. Manche Gewässer wurden in jüngerer Zeit umgestaltet oder auch neu geschaffen. Ob Naturgewalt oder Menschenwerk: In ihrer Vielfalt sind die Stillgewässer wichtige Lebensräume für Amphibien: Frösche, Kröten, Unken und Molche.“

Und ich erfuhr einiges über diese besonderen Tiere, die ein Doppelleben führen, nämlich sowohl im Wasser als auch an Land – daher auch der Name „Amphibie“, was vom griechischen Wort für „doppellebig“ kommt (was ich wahrscheinlich im Biologieunterricht gelernt habe, mir vorübergehend aber entfallen war). Und nicht anders als Menschen, die ein Doppelleben führen, sind Amphibien (auch Lurche genannt) ziemliche Heimlichtuer. Tatsächlich habe ich während der gesamten Tour keinen dieser Vögel respektive Lurche zu sehen oder zu hören bekommen.

Achtung! Frosch quert.

So spielte für mich – once again – die Landschaft die Hauptrolle. Es ging vorbei an den auffallend saftigen Grünstreifen gleich hinter Dannenberg, die so angelegt sind, dass sie das Niederschlagswasser vom Gewerbegebiet Breeser Weg sammeln, vorbei am grün leuchtenden „Brack Predöhlsau“, einem Überbleibsel einer alten Flutrinne, entlang der Apfelbaumallee zur „Tauben Elbe“, wo die vier diesjährigen mageren Jungstörche aus dem Penkefitzer Storchennest am Trafotürmchen gerade unermüdlich An- und Abflug übten – leider alles ohne Foto. Meine Kamera hatte unterwegs ihre Mucken.

Die Route der alten Obstsorten im Wendland und die Deutsche Storchenstraße streifen teilweise die Amphien-Strecke, so dass ich unterwegs beispielsweise Näheres über die „Jasebecker Mehlbirne“ erfahren konnte, einen rund 150 Jahre alten Obstbaum-Methusalem. Und über das Paarungsritual der Störche lernte ich:

„Das Paarungsritual wird dadurch eingeleitet, dass das Männchen das Weibchen krault und es umschreitet.“

Irgendwie kommt mir das vage bekannt vor.

Weite bei Jasebeck

Die Tour führte vorbei an den Jasebecker Bracks…

Am Damnatzer Elbufer.

…und nach Damatz. Nach der wunderschönen Einsamkeit der Tour bis hierher erschien mir Damnatz im Kontrast fast wie die wendländische „Schinkenstraße“. Denn hier reihten sich plötzlich ein Radfahrer-Imbiss, eine Radfahrer-Pension und mehr aneinander… Im Grunde passte mir das aber ganz gut. Denn so kam ich zu meinem Riesen-Alster, von dem ich unter der heißen Augustsonne schon über mehrere Kilometer hinweg halluziniertgeträumt hatte.

Damnatz hat übrigens seinen eigenen „Walk Of Fame“.

Walk Of Fame

Ein vorwitziger Vierbeiner hat über viele Meter Strecke hinweg seine Pfoten tief in den Beton des Radwegs gedrückt.

Noppentaler

Noppenbewehrte Gerätschaften in Damnatz: Ein Rücken-Schubber-Gerät für den müden Wanderer? Nein. Laut Anleitung sollen diese Noppentaler die nach langen Wegstrecken oft steifen Radler-Schultern lockern. Dafür legt man eine Hand links, eine Hand rechts auf den Noppentaler und dreht die Taler dann gleichmäßig mal die eine, mal in die andere Richtung. Die Noppen stimulieren außerdem die Handinnenflächen. Dolle Sache. Die Damnatzer tun was für den Fahrradtourismus…

Herzhausen

Kitsch as kitsch can: Um ein bißchen Landidyll komme ich hier einfach nicht herum.

Stay rude, stay rebel

„Stay rude, stay rebel“: An diesem Trafoturm kurz vor Ende der Tour widerfuhr mir das Unfassbare. Ich verlor die Orientierung. Wo war ich? Hatte ich mich verfahren? Waren den Machern des „Besucherlenkungskonzepts“ unterwegs irgendwann die Schilder ausgegangen oder hatte ich die letzten Schilder schlicht übersehen? Gut, dass es Google Maps gibt. So fand ich schnell wieder auf den rechten Pfad zurück.

Alle Bilder dieser entspannten Sommertour, die mich von Dannenberg über Penkefitz, Jasebeck, Landsatz, Damnatz, Kamerun, Sipnitz und Gümse wieder zurück nach Dannenberg führte,  gibt es hier.

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