Heimat? Ertappt.

„Was ist Eure Heimat?“ fragt Katja Wenk in ihrem Blog und ruft zur Blogparade auf.

Borkenparade zur Blogparade von Katja Wenk

Heimat? Ach, nee! Dachte ich. Dieser seltsam verstaubt klingende Begriff. Was geht mich das an, was hat das mit mir zu tun? Szenenbilder alter „Heimatfilme“ vom „Schwarzwaldmädel“ bis „Ferien auf Immenhof“ kommen mir in den Sinn.

Heimat. Das klingt nach „Hand aufs Herz“ und Treueschwüren für die Ewigkeit. Nach den hiesigen Gildebrüderschaften und ihren Federhüten. Nach unerklärlicher Leidenschaft für die Krume, auf der man steht. Eine Krume, die  man im Zweifelsfall bis aufs Blut gegen fremde Eindringlinge verteidigt. Heimat? Nicht meine Terminologie. Und nicht mein Thema.

Mein Blick fällt auf den Header meines Blogs: Kulturtante Wendland. Hallo? Ertappt. Ich hätte mein Blog sonstwie nennen können. Aber aus irgendwelchen Gründen habe ich den Namen der Region, in der ich lebe und in der ich aufgewachsen bin, in den Blognamen eingebaut.

Ein Grund ist schlicht, dass ich in diesem Blog über meinen Alltag schreibe, über das, was ich hier erlebe, was ich sehe, beobachte, höre. Und da gehört eine gewisse „Verortung“ wohl dazu. Aber geht es mir nicht um mehr? Um dieses Gefühl von Verwurzelung, die ich mit dem Wendland verbinde und der ich mit diesem Blog vielleicht auch ein „Denkmal“ (?) setzen möchte? Ein Heimat-Denkmal? Oje.

Wendland. Das ist diese kleine Region an der Elbe im östlichsten Niedersachsen. Gerne auch „Niedersachsens wilder Osten“ genannt. „Wild“, denn hier gibt es viel Weite, viel Grün, viel von dem, was gemeinhin als „unberührte Natur“ bezeichnet wird. Es gibt die Elbe, die hier so ganz anders daherkommt als in Dresden oder Hamburg, und die Rundlinge, diese seltenen in die Runde um einen Dorfplatz gebauten Dörfer, die gerne UNESCO-Weltkulturerbe werden möchten (wenn sie mal groß sind…).

Das alles ist schön und liebenswert und macht das Leben und Arbeiten hier sehr angenehm (die Haken am Leben im Wendland wie die hohe Arbeitslosigkeit, überhaupt kaum berufliche Perspektiven, die dürftig ausgestatteten Schulen, die bis über den Scheitel verschuldeten Kommunen, Gorleben – ja, auch das liegt im Wendland – blende ich an dieser Stelle einmal aus). Ist es das, was für mich „Heimat“ bedeutet?

ZUHAUSE. Das ist der Begriff, den ich verwenden würde, nicht Heimat. Zuhause bedeutet Wohlgefühl, ein Gefühl von Sicherheit, von Wissen-wo-man-hingehört. Aber hat das wirklich mit der Gegend zu tun, in der ich lebe? Dieses „Zuhause-Gefühl“ stellt sich bei mir oft in der Natur ein. Wenn ich unter einem schönen alten Baum sitze. Wenn ich an einem Gewässer stehe. Auch wenn ich ein gutes Essen genieße. Da fühle ich mich Britta Beumers ganz nah, der Heimat durch den Magen geht. Und dasmussraus scheint es ähnlich zu gehen: Seine Heimatgefühle für Wien haben viel mit Gulasch, Ćevapčići und Bratislavský Rožok zu tun.

Eine Gefühl von Zuhause-Sein erlebe ich auch, wenn ich einen Roman lese, in dem ich ganz abtauchen kann (zuletzt: „Silo“ von Hugh Howey), der noch Tage, Wochen (selten auch Jahre) in mir nachklingt und dessen handelnde Personen ich zu gerne „im wirklichen Leben“ kennen würde.

Wo der Zuhause-fühl-Baum steht, ist zweitrangig. Das Zuhause-fühl-Gewässer muß nicht die Elbe sein. Oder die Jeetzel. Das Essen muß nur gut sein. Und der Roman auch. Das ist Zuhause. Das ist – von mir aus – „Heimat“.

Einer, der seiner Heimat ein musikalisches Denkmal gesetzt hat, ist Franz Klahn. Er singt schlicht „Wendland, ick moak di“.

Diese Liebeserklärung an meine „Heimat“ würde ich natürlich sofort unterschreiben…

2 Kommentare

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2 Antworten zu “Heimat? Ertappt.

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