Es lebt! – der wiederauferstandene Dannenberger Ostbahnhof

Der Dannenberger Ostbahnhof: In wenigen Wochen feiert er seinen ersten Geburtstag nach der aufwändigen Sanierung.

Neulich habe ich mit Teilzeitmitbewohnerin und Gelegenheitsbruder das Anfang Oktober neu entstandene Bistro im Dannenberger Ostbahnhof getestet.

Trotz des nasskalten Novemberwetters legten wir den Weg von Dannenberg West nach Dannenberg Ost zu Fuß zurück. Bald sollten bei den Mitwanderern erste Ausfallerscheinungen („Rücken!“ , „Magen!“, „Fuß kaputt!“) auftreten. Welche Wohltat war es da, nach den Strapazen des halbstündigen Gewaltmarsches Spaziergangs vom warmen Licht des frisch sanierten Bahnhofsgebäudes empfangen zu werden.

*

Jahrelang hatte der Dannenberger Ostbahnhof vor sich hingemodert und einen, na, sagen wir mal, eher morbiden Charme versprüht. Jahrelang gehörte nicht viel dazu, sich vorzustellen, dass in den Ecken der feuchtkalten Immobilie erst kürzlich irgendwelches Getier verendet war. Schwer vorstellbar, dass dieses spätklassizistische Baurelikt noch einmal wiederbelebt werden sollte. Nach zwei Jahren Renovierungszeit konnte das historische Gebäude im Dezember letzten Jahres jedoch neu eröffnet werden – in Kürze feiert das Baudenkmal also seinen ersten Geburtstag nach seiner Wiederauferstehung qua Sanierung.

Die Bahnhöfe Dannenberg Ost und West auf einer historischen Ansichtskarte. Quelle: www.wendland-archiv.de.

Der Dannenberger Ostbahnhof war der erste und größte Bahnhof im Wendland (Baujahr 1873). Er lag an der Strecke Wittenberge – Buchholz. Ursprünglich hatte man mit dieser Strecke Großes vor. Sie sollte die Metropolen Berlin und Hamburg sowie Bremen verbinden und damit den Zugang zu den großen Nordseehäfen gewährleisten. Aber die Strecke blieb in ihrer Bedeutung eher unscheinbar. Heute ist der Dannenberger Ostbahnhof der letzte verbliebene aktive Bahnhof des Wendlands. Dannenberg ist nur noch Endstation; zwischen hier und Lüneburg verkehrt bis heute die sogenannte „Wendlandbahn“, im Drei-Stunden-Takt.

Der Dannenberger Ostbahnhof unterscheidet sich in der Bauart deutlich von den später entstandenen Bahnhöfen im Wendland, auch von dem zweiten Dannenberger Bahnhof West (siehe die historische Ansichtskarte). Das Bauwerk in Dannenbergs Osten, dessen Silhouette an eine Lokomotive erinnert, …

„…steht in der spätklassizistischen Tradition von Großbauten, wie sie sich an vielen von Berlin ausgehenden Bahnstrecken befinden. Das renaissanceartige Quaderwerk an Gebäudeecken sowie die asymmetrische Gestaltung deuten auf den Bautypus der italienischen Belvedere-Villa hin (von Schinkel in Berlin eingeführt)“ *
 
Und das Bistro im Bahnhof?

Die Speisekarte des neuen Bahnhofs-Bistro: mit der einer Lokomotive ähnelnden Silhouette des historischen Bahnhofsgebäudes

Ja, das Bistro befindet sich in einer Bahnhofshalle. Und: Ja, der Raum strahlt eine gewisse Sachlichkeit aus. Aber die Kerzen und Blümchen auf den Tischen und die leise Musik im Hintergrund – Klassik und Udo Lindenberg im Wechsel – ließen mich vergessen, wo wir saßen. Die in der gesamten Halle verteilten Aufsteller, Prospektständer und -tische, die bei Tageslicht einen eher unaufgeräumten Eindruck erwecken, verschwanden im angenehmen Halbdunkel des Raums. Die Bedienung? Sehr aufmerksam und freundlich. Das Essen? Bunt und lecker und mit Blümchen dekoriert. Ein echter Gewinn für das an kulinarischen Angeboten nicht gerade reiche Dannenberg.

Ich ess Blumen – in diesem Fall die leuchtendorangene Blüte von Kapuzinerkresse

Etwas bitter im Abgang….. War die Ringelblumenblüte auf meiner Gemüsequiche vielleicht doch nur als Deko gedacht?! Urgs.

Das Bistro im Bahnhof ist täglich von 18-22 Uhr geöffnet. Montags und dienstags gibt es insbesondere Wild- und Fischspezialitäten, mittwochs bis sonntags „Internationales“. Dazu gehören immer vegetarische, auf Wunsch auch vegane Gerichte. Reservierungen und Informationen zu wechselnden Speisekarte gibt es unter Tel. 05861 – 806 92 61.

Nachtrag von Ende November 2014: Der Restaurantbetrieb im Dannenberger Ostbahnhof ist vor Kurzem eingestellt worden. Schade!

* Quelle: W. Jürries (Hg.): Wendland Lexikon, Band 1, Stichwort „Eisenbahnarchitektur“, Lüchow 2000.

7 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

7 Antworten zu “Es lebt! – der wiederauferstandene Dannenberger Ostbahnhof

  1. Ein toller und informativer Blog, den ich heute dank Frau Landgeflüster gefunden habe.
    Im Sommer gibt es für mich kaum etwas Schöneres als Radtouren durch die Weite und Einsamkeit des Wendlands zu machen

  2. Dankeschön! Das freut mich – und geht natürlich runter wie Öl. Ich war diesen Sommer auch unheimlich viel mit dem Fahrrad unterwegs – und vermisse es gerade sehr…Lebst Du im Wendland oder kommtst Du nur zum Weite-und-Einsamkeit-Genießen hierher?

  3. Ich wohne im Landkreis LG und warte im Frühjahr immer schon ungeduldig auf die KLP, dass der Trubel endlich wieder losgeht und wenn der vorbei ist, plane ich für unseren Sommerurlaub Radtouren durch die schönsten Dörfer und Gegenden, die ich bei der KLP gesehen habe. Inzwischen kenne ich mich schon recht gut aus, doch es wird nie langweilig! Ach, wenn die Winter nur nicht immer so lang wären…

  4. In den hellen Jahreszeiten kann’s man’s hier wirklich gut aushalten, das finde ich auch. Auf die dunklen Wintermonate habe ich aktuell gerade auch gar keine Lust. Herzliche Grüße in den Westen! Jenny

  5. R

    Na, da werde ich doch mal hin!

  6. R

    A propos dunkle Jahreszeit: im Blütlinger Holz (Sommer über aus Naturschutzgründen gesperrt) oder im Elbvorland (etwa bei Gorleben) kann man auch schöne, mystische Momente haben. Sträuchergeschlinge und Uraltbäume, Moosstämme und Bruchwald, Auwasserpfuhle, Seggenriedwiesen und dazu die Klavierstücke der Spechte.

  7. Klingt grossartig – vor allem, was die Spechte da an musikalischem Rahmenprogramm auf die Beine stellen! Sobald der Frühling spürbar da ist (vielleicht ja schon am Wochenende?), wird mein Fahrrad aus dem Rumpelkeller befreit. Bis nach Gorleben oder Blütlingen schaff ich’s nicht von Dannenberg aus. Das Jasebeck-Damnatzer Elbvorland muß erstmal langen. Elbe geht immer. Liebe Grüße!

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