Fundstück Nr. 16

Friseur

Aufgegebener Friseurladen in Gartow (Elbe)

Hilfe, ich war stolz wie Bolle [wer zum Teufel ist Bolle?], als ich vor einigen Monaten in Schnackenburg, im östlichsten Zipfel des Wendlands, einen wahren Frisier-Monopolisten entdeckte.

Einen, der es nicht nötig hatte, seinem Laden einen eher peinlichen als fantasievollen Namen zu verleihen. Der sich stattdessen darauf beschränkte, sein Geschäft mit dem schlichten Hinweis „Friseur“ zu versehen.

Heute stieß ich auf einen weiteren Vertreter dieser Spezies: im wenige Kilometer entfernten Flecken Gartow. Sind diese Fantasienamen à la „Hair Style“ und „Uschis Olymp“ vielleicht tatsächlich erst Erfindungen der 1980er – so mein Gefühl? Wikipedia meint, erst um die Jahrtausendwende sei die Mode aufgekommen, Salonnamen mit Wortspielen zu wählen.

Das Schöne an diesem – offensichtlich nicht mehr in Betrieb befindlichen – Laden in Gartow ist aber noch etwas anderes. Der Laden verfügt über zwei Türen. Links geht es in den „Herren-Salon“, rechts in den „Damen-Salon“.

Friseurladen in Gartow

Herr oder Dame oder…

Friseurladen in Gartow

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Das waren noch Zeiten, als man noch wußte, wo man hingehört…

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Fundstück Nr. 15

Hulk

„Don’t make me angry. You wouldn’t like me when I’m angry.“  (Zum Vergrößern bitte anklicken!)

Ein Mittagspausenfund: The Incredible Hulk auf der Gleisseite des früheren Bahnhofsgebäudes Lüchow.

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Gute-Nerven-Kekse zum Urlaubsende – irgendwas zwischen Hl. Hildegard und Yogi Sivananda

„Ich kann mich ärgern, bin aber nicht dazu verpflichtet.“
Unbekannt

Um meine im Urlaub erlangte Gemütsruhe auch im Arbeitsalltag, der ab morgen wieder beginnt, möglichst lange aufrecht zu erhalten, habe ich mir heute einen kleinen Vorrat an Gute-Nerven-Kekse gebacken: mit jeder Menge Muskat, Zimt und Ingwer, Haferflocken, Dinkel und einer Handvoll Walnüssen. Gedacht sind diese Kekse eher als Stärkungsmittel denn als Süßigkeit. Dann sollte ab morgen eigentlich nichts mehr schief gehen.

Zutaten Gute-Nerven-Kekse

Gute-Nerven-Kekse: dies sind die Zutaten.

Das Rezept ist eine Mischung aus den sogenannten „Nervenkeksen“ der Benediktinerin und Universalgelehrten Hildegard von Bingen und den „Yoga-Keksen“, die am Ende mancher Sivananda-Yoga-Stunde gerne zur Stärkung geknuspert werden.

Die „Nervenkekse“ der Heiligen Hildegard (einfach mal googeln, im Netz gibt es dazu jede Menge Rezepte) wollte ich längst schon einmal ausprobiert haben. Hauptzutaten sind Dinkel und Muskat. Hildegard schwörte auf Dinkel, die Urform des Weizens, und riet, ihn täglich zu essen. Muskat empfahl sie als universales Mittel gegen Trübsinn, zur Blutreinigung, Entgiftung, bei Ermüdbarkeit, Trägheit, Konzentrationsschwäche, Gehemmtheit und Herzdruck. Und so gab sie zu den Nervenkeksen den Tipp:

„Iss diese oft und alle Bitternis deines Herzens und deiner Gedanken weiten sich, dein Denken wird froh, deine Sinne rein, alle schadhaften Säfte in dir minderer, es gibt guten Saft deinem Blut und macht dich stark.“

Ganz unumstritten sind Hildegard Nervenkekse heute indes nicht, insbesondere wegen der großen Menge an Muskat. Denn dieser kann in größeren Mengen berauschend wirken. Heutige Empfehlungen lauten, als Erwachsener nicht mehr als vier oder fünf Kekse am Tag essen. Es sei denn, man möchte Englein sehen.

Im Unterschied zu den klassischen Nervenkeksen kommen zu meinen Gute-Nerven-Kekse noch Walnüsse und Haferflocken (Eiweiss-Power!) hinzu.

Kneten

Kneten!

Die trockenen Zutaten und das Öl vermengen und bis zu 200 ml Hafermilch (alternativ: Kuhmilch oder Wasser) hinzugeben, bis der Teig die gewünschte Konsistenz hat.

Kekse bereit zum Backen

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Mit einem Löffel kleine Berge aufs Blech häufen und zu mehr oder weniger attraktiven Keksen formen. Insgesamt ergibt die Teigmenge 12 Kekse mit ungefähr 10 cm Durchmesser. Im auf 200 Grad vorgeheizten Backofen backen, bis die Kekse sich  am Rand goldbraun färben – dauert etwa 12 bis 15 Minuten.

Kekse zum Tee

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Zugegeben: Schönheitswettbewerbe lassen sich mit diesen Keksen nicht gewinnen. Sie sehen seeeehr gesund aus, schmecken aber gut: leicht würzig und nicht so süß. Könnten durchaus auch mal als Frühstücksersatz herhalten.

Wer sich fragt, was das in dem Bild oben für eine seltsame Tasse ist, bei der man von oben durch den Henkel gucken kann: Eine solche Tasse mit diesem ungewöhnlichen waagerecht angebrachten Henkel hat man bei archäologischen Grabungen am früheren Schloss- bzw. Burgplatz in Lüchow entdeckt. Eine hiesige Töpferei hat diese Tasse nachgebildet und bietet sie als „Wendland-Schale“ in verschiedenen Größen und Ausführungen an. Das historische Original ist im – aktuell leider geschlossenen – Museum im Amtsturm Lüchow ausgestellt.

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Stadt – Land – Fluss. Drahteselrunde von Dannenberg über Hitzacker nach Dömitz und zurück

Wegweiser zur Stadt-Land-Fluss-Tour

Wegweiser zur Stadt-Land-Fluss-Tour

„Dreimal ist Bremer Recht“ – so mein Gedanke, als ich mich letzten Freitag auf den Drahtesel schwang, um nun endlich die “Stadt-Land-Fluss-Tour” abzuradeln. Zweimal war ich in den letzten Wochen auf halbem Wege umgedreht, weil der Himmel sich zuzog.

Tatsächlich hatte ich diese „Thementour“ der Elbtalaue-Wendland Touristik schon seit letzten Sommer auf dem Plan. Auch am Freitag sah der Himmel zunächst eher nach ergiebigem Regen als nach Sonnenschein aus. Egal. Erst mal los!

Knapp 50 Kilometer plane Strecke sieht die Thementour vor. Als Ausgangspunkt ist Dannenberg oder Hitzacker vorgeschlagen. Ich startete in Dannenberg und radelte über Pisselberg nach Hitzacker.

Am Anflug auf Hitzacker

Im Anflug auf Hitzacker

In Hitzacker angekommen schlug ich erst einmal ein wenig Zeit tot. Denn die Wolken über mir wurden zunehmend dunkler und ich konnte mich nicht gleich entscheiden, ob ich nun wirklich die große Runde wagen sollte. Also erst einmal einen Coffee-to-go geschlürft, auf der Stadtinsel das Rätsel des August-Barge-Schildes gelöst und ein paar der bunten alten Haustüren besichtigt, die ich so liebe.

Laubwerk-Ornament an einer Haustür auf der Stadtinsel Hitzacker

Laubwerk-Ornament an einer Haustür auf der Stadtinsel Hitzacker

Bei der Gelegenheit entdeckte ich eine Windrose im Straßenpflaster der Elbstraße. Ist mir vorher nie aufgefallen.

Windrose im Pflaster der Elbstraße in Hitzacker

Windrose im Pflaster der Elbstraße in Hitzacker

Das Wetter wurde leider nicht besser. Aber warten wollte ich nun auch nicht länger, also rauf auf die Fähre, die täglich von 9 bis18 Uhr zwischen Hitzacker (Niedersachsen) und Bitter (Mecklenburg-Vorpommern) verkehrt – nach Vereinbarung übrigens auch darüberhinaus (Tel.: 0160-5960668).

Fähranleger Bitter

Fähranleger Bitter: Nein, dies ist keine Abendstimmung – auch wenn es so aussieht. Das Foto entstand um die Mittagszeit.

Hier führte die Strecke auf dem Elberadweg ganz entspannt bis ins etwa 21 Kilometer entfernte Dömitz. Ich war überhaupt zum ersten Mal auf dieser Seite der Elbe. Die Häuser entlang der Strecke, die sich zu DDR-Zeiten im unmittelbaren Grenzgebiet befanden, stehen größtenteils direkt am Deich bzw. direkt am Radweg. Klassische Vorgärten oder Zäune gibt es kaum. Stattdessen fielen mir die vielen wunderschönen Apfel- und anderen Obstbäume auf, die vor vielen Häusern stehen. Und ich registrierte die Weite. Und die Einsamkeit.

Um wieviel einsamer und isolierter mag sich das Leben hier zu Zeiten der innerdeutschen Teilung angefühlt haben? Insbesondere im Ort Rüterberg, der ab 1967 komplett von Grenzsicherungsanlagen umschlossen war. Die rund 150 Bewohner des Ortes kamen nur durch ein streng bewachtes Grenztor und unter Vorlage ihres Ausweises in ihr eigenes Dorf. Besucher brauchten eine Sondererlaubnis. Und zwischen 23 Uhr und dem Morgengrauen war der Ort komplett dicht. Schwer vorstellbar, auf Dauer so zu leben. Die Rüterberger haben’s 22 Jahre getan.

Radweg am Deich

Elberadweg zwischen Bitter und Wehningen

Es setzte leichter Nieselregen ein. Ein heißer Tipp für solche Phasen, in denen man sich vom Schmuddelwetter ablenken möchte oder es außer Deich und Grün und dunklem Himmel nicht viel zu sehen gibt: Ich stelle mir dann mit Begeisterung vor, dass ich in meinem persönlichen riesigen Freilichtmuseum unterwegs bin und dass die Fenster der Privathäuser, an denen ich vorbeiradle, eigentlich außergewöhnliche Museumsvitrinen sind. So wie dieses hier – was haben die Bewohner da denn Hübsches ausgestellt?

Ausstellungsstück auf Fensterbank

Nur für mich haben die Bewohner dieses Hauses etwas auf ihrer Fensterbank ausgestellt. Was ist es nur?

Erst mal näher rangehen.

Ausstellungsstück im Fenster

Ausstellungsstück im Fenster: ein Schneefuchs? Irgendein Mardertier? Wer stellt sich so etwas auf die Fensterbank?

Weiter nach Strachau.

Der Schrein - bildhauerische Arbeit von Klaus Großkopf

Skulptur von Klaus Großkopf

Es sieht aus wie ein rot eingefärbter Teilabdruck eines opulenten Hinterns, der in einem Holzgestell zum Trocknen hängt. Es heißt „Grosser Schrein“, ist eine bildhauerische Arbeit von Klaus Großkopf und steht direkt am Strachauer Ortseingang am Radweg. Ich erinnerte mich urplötzlich an ein lesenswertes Porträt von Klaus Großkopf, das vor Jahren im Magazin Zero zu lesen war. Entschied sich der Autor des Porträts Karl-Heinz Farni damals nicht für einen Besuch bei Großkopf, nachdem er minutenlang beseelt einen steinernen Arsch von Großkopf in Händen gehalten hatte?

Blick in den Garten von Klaus Großkopf

Blick in den Skulpturengarten in Strachau

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt der private Skulpturengarten von Klaus Großkopf und Barbara Westphal.

Skulptur zwischen Obstbäumen

Skulptur zwischen Obstbäumen

Der Skulpturengarten ist – soweit ich weiß – nicht öffentlich zugänglich. Aber man kann auch vom Radweg aus zwischen den alten Obstbäumen die unterschiedlichsten Skulpturen entdecken.

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Beton-Blumenkasten

Ein weiteres interessantes Ausstellungsstück in einem privaten Vorgarten: ein mit Glasscheiben aufgemotzter Beton-Blumenkasten.

Eine willkommene Abwechslung zur Deich-Einsamkeit: eine Schafherde mit – wie mir einer der begleitenden drei Schäfer sagte – über 1000 (!) Tieren, die an mir vorbeigetrieben wurde.

Schafe am Deich

Schafe am Deich

Auf meine Frage, wo es denn nun hingehe für die Tiere, antwortete er mit todernster Miene: „Nach Hamburg. Die wollen alle zur Reeperbahn.“ Ah, ja.

In Wehningen machte ich einen kleinen Abstecher zur Kapelle. Irgendwo hatte ich gelesen, dass sich in den Ziegeln rechts und links des Eingangs Pfotenabdrücke von Hund oder Katze befinden sollen. Tatsächlich!

Pfotenabdrücke an der Kapelle Wehningen

Pfotenabdrücke an der Kapelle Wehningen

Die Pfotenabdrucke sollen als „Bannzeichen“ gedient haben, heißt es. Die Küsterin, die vor der Kapelle gerade am Teppichklopfen war, mochte dies nicht bestätigen.

Ganz in der Nähe des Radwegs stieß ich auf einen auffallend imposanten Pfeiler. Ein Solitär. Die rostigen Scharniere an einer Seite wiesen aber darauf hin, dass zu diesem Pfeiler einmal ein Zwilling mit entsprechender Tordurchfahrt gehört haben muß.

Wehningen: Pfeiler

Wehningen: imposanter übermannshoher Pfeiler einer früheren Tordurchfahrt. Sein Zwilling steht nicht mehr.

Fast vom Grün verdeckt, findet sich ganz in der Nähe der steinerne Torbogen des früheren Wasserschlosses Wehningen.

Torbogen des früheren Schlosses Wehningen

Torbogen des früheren Schlosses Wehningen.

Die Geschichte des Schlosses Wehningen reicht bis ins Jahr 1285 zurück. Damals war es der Sitz des Raubritters Riebe, der gegen Ende des 13. Jahrhunderts die gesamte Griese-Gegend in Angst und Schrecken versetzte, die Landstraßen unsicher machte und durchziehende Kaufleute und Händler ausraubte. Ab 1842 kam das Schloß in den Besitz des Grafen von Bernstorffs. Heute ist vom Schloß allerdings kaum mehr etwas über: 1979 wurde es aus Gründen der „Staatssicherung“ abgerissen und komplett eingeebnet.

Infotafel Schloss Wehningen

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Eine Infotafel erinnert an das frühere Schloss Wehningen. Auf der hier zu sehenden historischen Aufnahme ist noch einmal der bis heute bestehende Torbogen zu sehen – links dahinter das Schloss.

Weiter nach Rüterberg. Auf die Geschichte der früheren „Dorfrepublik Rüterberg“ hatte ich keine große Lust, darum ließ ich das kleine Heimatmuseum des Ortes links liegen. Ich bestieg den kleinen Aussichtsturm des Ortes, der einen schönen weiten Blick über das Elbvorland lieferte. Ansonsten erfreute ich mich insbesondere an den Bemühungen der Rüterberger, ihren Gästen das gewisse Etwas zu bieten – siehe Foto unten.

Rüterberg: Schild Kackplatz

Aussagekräftige Beschilderung in Rüterberg – hier stimmt die touristische Servicequalität.

 

Schiff Hilde

Die „Hilde“ tuckert auf dem Weg nach Hitzacker an Rüterberg vorbei.

Auf abwechslungsreichen Wegen – mal war es Sand-, mal Schotterpiste, mal ging es am Deich entlang, mal durch ein Waldstück – gelangte ich bis nach Dömitz. Kurzer Abstecher zur Festung Dömitz, im norddeutschen Raum eine der wenigen erhaltenen Flachlandfestungen des 16. Jahrhunderts.

Renaissance-Eingangsportal der Festung Dömitz

Renaissance-Eingangsportal der Festung Dömitz

 

Löwe mit herausgestreckter Zunge am Eingangsportal der Festung Dömitz

Ein früher Stones-Fan? Löwe mit herausgestreckter Zunge am Eingangsportal der Festung Dömitz

Von Dömitz aus ging es über die Dömitzer Brücke wieder auf die Heimreise gen Niedersachsen. Bei doofem Gegenwind und mittlerweile ziemlich müden Radler-Beinen fuhr ich einen Schlenker über Langendorf und Quickborn und zurück nach Dannenberg.

Später Nachmittag kurz vor Dannenberg – und gleich fängt’s wieder an zu pieseln.

Alle Bilder des Tages gibt es hier.

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Fundstück Nr. 14

Straßenschild mit der Aufschrift "Hier ging August Barge"

Straßenschild mit der Aufschrift „Hier ging August Barge“

Wer zum Teufel war August Barge?

Heute morgen stand ich zum ich-weiß-nicht-wievielten-Male rätselnd unter diesem Blechschild im “Schiffergang” in Hitzacker und las: “Hier ging August Barge”. Wer war August Barge? Und wie oft muß er den “Schiffergang” in Hitzacker entlang gelaufen sein, bis jemand auf die Idee kam, ihn an Ort und Stelle mit einem eigenen Blechschild zu verewigen?

Im Museum Altes Zollhaus Hitzacker in der benachbarten Zollstraße erhielt ich vom Museumsleiter die – unspektakuläre – Antwort. Demnach war August Barge ein Hitzackeraner “Unikum”, von dem bis heute einige wilde Geschichten und Bonmots im Umlauf sind – Freunde von ihm setzten ihm mit dem Namensschild aus Jux ein kleines Denkmal.

Am bekanntesten – und bis heute immer wieder gern zitiert – ist Barges Urteil über die Stadtoberen Hitzackers: “Hier regeern de Apen”, auf hochdeutsch: Hier regieren die Affen.

Der Schiffergang geht von der Elbstraße ab und führt zum Jeetzel-Anleger / Hiddo-Steg.

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